Herrlich(-keit) in Leverkusen

Heute morgen entdeckte ich auf der Facebook-Seite von Bayer Leverkusen eine alte Autogrammkarte von Heiko Herrlich. Das Haar noch lockig und ungezähmt auf den Schultern tragend. Es warf mich komplett zurück in meine Kindheit, denn genau diese Autogrammkarte besaß ich auch. Es war glaube ich das letzte Mal, dass ich bei Bayer nach solchen Karten fragte und ich weiß gar nicht, wie ich auf die Idee kam, mir Autogrammkarten dort zu bestellen.

Ich war damals großer Rüdiger-Vollborn- und Christian-Schreier-Fan und als meine Leid-enschaft für den damals mausgrauen Verein entfacht wurde, entdeckte ich irgendwo die Adresse von Bayer Leverkusen. Vielleicht im Kicker-Saison-Heft? Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall wollte ich wohl ein Autogramm von den beiden Spielern. Ich schrieb einen guten alten Brief an die gefundene Adresse und tatsächlich - Wochen später bekam ich einen dicken Briefumschlag mit Autogrammkarten. Nicht nur von Vollborn und Schreier, sondern tatsächlich von der ganzen Mannschaft.

Ich war begeistert und meine Freunde auch. Also sie nicht von den Autogrammkarten der Bayer-Spieler, sondern dass man beim Herzensverein solche Karten bekam. Also liefen bald alle mit Autogrammkarten durch die Klasse und man verglich die Anzahl der Länderspiele oder die Anzahl der Kilos, die sie über den Fußballplatz spazieren führten (Weshalb ist das eigentlich wichtig?). 

Zurück zum Anfang. Auch die Herrlich-Karte war irgendwann in meinem Besitz. Ich fand nie einen positiven Ansatzpunkt zu ihm. Er war immer der komische langhaarige Kauz, entflohen aus irgendeiner Bon-Jovi-Coverband. Den Durchbruch schaffte er in Leverkusen nicht. Sechs Tore in 75 Spielen waren eher enttäuschend. 

Nun ist er in Trainer in Leverkusen. Was das bedeutet, kann man nur erahnen. Die ganz großen Mannschaften hat er noch nicht trainiert, mit seinem letzten Verein stieg er in die zweite Bundesliga auf. Dort trainierte er schon mal den VfL Bochum, wo er jedoch am vorletzten Spieltag entlassen wurde. Wenn es eh schon nicht läuft und man am vorletzten Spieltag entlassen wird, klingt das doch sehr komisch. Insgesamt war sein Auftritt in Bochum nicht der glücklichste. 

Beim Jahn lief es dann besser und das, was er dort auf seiner Antritts-PK versprochen hat, sofern man das aus der Entfernung beurteilen kann, hat er eingehalten.

Wenn dies in Leverkusen dann auch so eintritt - toll. Nach oben keine Grenzen, so seine Aussage. Es gilt ein junges Team wieder aufzubauen, die unbestreitbare Qualität des Teams herauszukitzeln und eine Spielphilosophie zu entwickeln, die nicht nur auf einem taktischen Konzept beruht. Man darf gespannt sein. Ich hoffe auf jeden Fall, dass er sich als Trainer mehr in mein Leverkusener Fanherz einbrennt, in positiver Hinsicht, als dass er das als Spieler geschafft hat.

PS. Überraschend halten sich die Medien in der Bewertung der Personalie Herrlich noch schwer zurück. So richtig schlau scheint man aus Herrlich und dem Schachzug von Völler und Co. nicht geworden zu sein. Abwarten.